Wenn Essensreste Zu Einem Tabuthema Werden

Auf der Straße ist ein halbes Sandwich noch okay. Genauso wie ein angeschlagener Apfel, der an einer Bushaltestelle herumfliegt. Man übersieht sie leicht. Aber nach einer Nacht ist alles anders. Essensreste können nicht lange zivilisiert bleiben. Sie verrotten. Sie sickern aus. Sie locken Insekten an, die einen sonst nie belästigt hätten  – vollständiger Artikel!

Für Ratten sind die Essensreste ein kostenloses Buffet. Sie knabbern nicht nur daran. Sie nisten sich ein. Und selbst in Ruhezeiten sind sie nirgends zu finden. So wird aus einem vergessenen Stück Pizza ein Problem für die ganze Nachbarschaft. Städte verschwenden Unsummen für die Schädlingsbekämpfung, die mit dem achtlos weggeworfenen Müll ihren Anfang nimmt.

Und dann ist da noch der Gestank. Verwesung hat eine Stimme. An heißen Tagen schreit sie. Die Leute gehen schneller. Fenster schließen sich. Cafés lassen die Außengastronomie verstummen. Die Straße, die vorher so fröhlich war, wirkt plötzlich trostlos. Alles zergeht in dem Essen, das sowieso zergeht.

Diese Idee überspringt einige Schritte. Ein toter Körper auf der Straße verwest nicht wie einer am Boden. Der Beton nimmt die Nährstoffe nicht auf. Die Überreste schmelzen durch den Regen und landen in den Abflüssen. Von dort gelangen sie in die überlasteten Kläranlagen. Es ist eine ölige, klebrige und süßliche Masse. Die Arbeiter bemerken es. Die Steuerzahler zahlen.

Hinzu kommt die Verschmutzung durch Tiere, die kein Futter benötigen. Vögel gewöhnen sich schlechte Angewohnheiten an. Sie tauschen Körner gegen Pommes frites. Eichhörnchen beißen Verpackungen an und strangulieren sich. Die Anpassung der städtischen Tierwelt erfolgt schnell und ist nicht immer von Vorteil. Doch das ist nicht der Grund, warum die Taube mit ihrer Brutbesessenheit überlebt.

Es gibt auch eine soziale Komponente. Unordnung zieht weitere Unordnung an. Eine Bananenschale ist ein Zeichen der Zustimmung. Das Gehirn interpretiert sie als etwas, das jemand begonnen hat. Genau das passiert sofort auf dem Bürgersteig; das Ergebnis eines versehentlichen Picknicks. Psychologen nennen es visuellen Verfall. Es ist das, was gewöhnliche Sterbliche als deprimierend bezeichnen würden.

Einer der Ladenbesitzer erzählte mir am selben Tag, dass er seinen Bereich dreimal täglich putzt. „Es ist immer Essen“, sagte er. „Nie Bücher.“ Er lachte, aber er war müde. Die Reinigungszeit raubt den kleinen Unternehmen wertvolle Stunden. Niemand kalkuliert die Kosten für das Entfernen der Reiskrusten von den Gehwegen.

Lebensmittelabfälle tragen auch zur Umweltverschmutzung bei. Feuchte Essensreste gefrieren im Winter. Rutschgefahren entstehen unvorhergesehen. Ein Sturz. Eine Klage. All das lässt die Überreste von gestern wieder aufleben.

Kinder haben die Meinung der Erwachsenen. Sie fragen sich, warum Ameisen den Gehweg bedecken. Sie fragen, warum es riecht. Diese Fragen schmerzen. Wir bringen ihnen in der Schule bei, wie man recycelt, und wir zeigen ihnen eine Lektion, die wir auf der Straße vergessen hatten.

Es geht nicht um Perfektion. Jeder lässt mal etwas fallen. Das Leben passiert. Es geht um Muster. Gewohnheiten. Es geht nur um Lebensmittel, denn es ist ein stiller Dominoeffekt, der damit beginnt.

Es trägt ein freundliches Gesicht, als würde es Lebensmittelabfälle entsorgen. Es ist ein schleichendes Problem, das sich langsam entwickelt.

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